"Devdas Mukherjee (Shahrukh Khan), Sohn einer reichen benghalischen Familie kommt nach zehn Jahren zurück in seine Heimat. Die Freude ist gross, als er zurück aus London im Haus seiner Familie eintrifft. Aber nicht nur die Familie, sondern auch die Nachbarstochter Paro (Aishwarya Rai) freut sich über seine Rückkehr. Seit ihrer Kindheit verbindet die beiden eine innige Freundschaft, die sich nach seiner Heimkehr in Liebe wandelt. Doch Paro stammt aus einer ärmeren, niedrigeren Kaste und als ihre Mutter der Familie Mukherjee ihre Tochter zur Heirat anbietet, wird dieses Angebot abgelehnt, obwohl die Familien seit Jahrzehnten gut befreundet sind. Zornig über die Abweisung verheiratet die Mutter ihre Tochter Paro innerhalb einer Woche mit einem alten aber reichen Mann. Devdas schafft es in dieser Woche einfach nicht, sich über die Entscheidung der Familie hinwegzusetzen und gibt sich seinem Schicksal hin.
Als der Tag der Hochzeit kommt, setzt sich Devdas über die Kastengesetze hinweg und versucht, seine Paro zu überreden, mit ihm durchzubrennen. Doch Paro ist so tief vom Verhalten der Mukherjees verletzt, dass sie Devdas die kalte Schulter zeigt und den Alten heiratet.
Daraufhin bricht für Devdas die Welt zusammen und er verlässt seine Familie, um bei einem alten Freund unterzukommen. Dieser Freund, ein Trinker und Bordellgänger, stellt ihm die Prostitutierte Chandramukhi (Madhuri Dixit) vor. Kurz darauf nutzt Devdas ihre Liebe zu ihm aus und zieht bei ihr ein. Vollkommen mittellos verbringt er die Tage bei ihr, ständig betrunken und lediglich der Gedanke an Paro lässt ihn überleben..."(cinemasia.de)
Der Roman Devdas von 1917 stellt einen der zentralen Mythen des modernen Indiens dar. Mehrfach und in verschiedenen Dekaden verfilmt hat so fast jede Generation seine eigene Version des Stoffes präsentiert bekommen. Als stilbildend gilt jedoch immer noch die Version von 1955 von Bimal Roy mit Dilip Kumar.
Nach längerer Pause beschloss nun der junge erfolgreiche Regisseur Sanjay Leela Bhansali seine Version zu erschaffen. Der jüngste DEVDAS entstand. Bhansali hatte vor, eine Version der Superlative zu erschaffen, sowohl emotional als auch vom Aufwand her. Gewusst werden muss hier, dass die titelgebende Figur des Devdas nichts mit den romantischen fröhlich-tollpatschigen Figuren des modernen Hindi-Kinos zu tun hat. Devdas ist ein tragischer Anti-Held. Er macht reichlich Fehler, verfällt dem Alkohol und dem Vergnügen, nachdem seine einzige Liebe aufgrund seiner Zögerlichkeit für ihn unerreichbar geworden ist. So unterscheidet sich der Film auch im Tonfall von anderen zeitgenössischen Hindi-Filmen. Albernheiten und Blödeleien sind deutlich reduziert, Tragik, Melancholie und Drama bestimmen den Tenor.
Die neueste Version von DEVDAS war in Indien ein durchschlagender Erfolg, was sicherlich zum einen an den sattsam bekannten Figuren liegt. Mit ihnen herrscht in Indien eine hoher Identifikationsgrad, wird doch selten das Thema Kastendenken, arrangierte Hochzeiten, Selbstbestimmung und Individualität in der strengen indischen Gesellschaft so auf einen Nenner gebracht, wie in der Vorlage zum Film. Ein weiterer Erfolgsfaktor waren mit Sicherheit die für das Projekt gewonnenen Stars. Mit Shahrukh Khan und Maduri Dixit wurde zwei schon fast legendäre Stars des zeitgenössischen Kinos verpflichtet und mit Aishwarya Rai ein Shooting-Star. Speziell letztere galt fortan als "schönstes Gesicht des indischen Kinos aller Zeiten" und nicht wenige Fügen - nicht ganz zu unrecht - hinzu "oder gar weltweit".
Auch international konnte DEVDAS Erfolge vorweisen: Die Premiere auf den Filmfestspielen in Cannes 2002 war nicht nur umjubelt, Aishwarya Ray avancierte zum meistfotografierten Gesicht des Festivals und das trotz Anwesenheit etlicher Hollywood-Stars. Über eine Besetzung des nächsten Bond-Girls mit dieser auffallend schönen Inderin wird mittlerweile nicht nur in Indien gemunkelt.
Rechtfertigt der Film nun alle diese Superlative? Ich möchte mit einem konsequenten Teils-Teils antworten. Berückend ist Bildgestaltung und Ausstattung. Der Film ist ein Fest für die Augen. Elegante Kamerabewegungen und Riesensets, eingehüllt in Millionen Kerzenlichter, verwöhnen den Betrachter. Hinzu kommt der schon erwähnte hervorragende Cast. Alle drei Hauptfiguren sind in Spiellaune und machen ihre Sache überzeugend. Auch die Song&Dancenummern sind üppig und passend vorgetragen und choreographiert, wobei einige Songs ohrwurmhaften Charakter aufweisen.
Was stört also? Alles scheint ein wenig zu sehr Superlaitv und durchkalkuliert. Der Film erstickt teilweise in seinen Settings, die selbst die Ausstattung des auch im Westen erfolgreichen indischen Überfilms SOMETIMES HAPPY SOMETIMES SAD (In guten wie in schweren Tagen) weit in den Schatten stellt. Ein Vergleich mit David Lean drängt sich auf, der mit LAWRENCE OF ARABIA und THE BRIFGE ON THE RIVER KWAI zwei Mammutwerke mit psychologischem Tiefgang produzierte, bevor er mit DR. ZHIVAGO ein wenig in Formelhaftigkeit erstickte. DR. ZHIVAGO ist ein guter Film bleibt aber doch etwas an der Oberfläche. Ebenso ergeht es DEVDAS. Shahrukh Khan gibt eine seiner besten Leistungen und beweist, dass er durchaus ein veritabler Schauspieler sein kann. Allein die Melancholie will nicht so recht zünden. Am vielschichtigsten ist noch die Rolle der Kurtisane Chandramukhi (Madhuri Dixit) angelegt, wobei Dixit hier aber auch eine hervorragende Leistung abliefert. Aishwarya Rays Darstellung der Paro anzusehen ist eine Wohltat. Ihre Züge gleichen denen einer griechischen Statue, sie vermag zu spielen und verfügt über ein Übermaß an Charme. Und doch: vielleicht wäre eine etwas weniger perfekte Besetzung wie Kajol oder Preity Zinta dem Film zuträglicher gewesen, um ihn lebendiger zu gestalten.
Nichtsdestotrotz bleibt ein sehr guter Film, der durch die Schönheit der Bilder und die der Darsteller verzaubert. Speziell die Ausstattung haut einen um, ist sie doch nicht nur gigantomanisch sondern auch berückend schön.
Wer keine Lust hat, zu warten, bis ein deutscher Verleiher den Film nach Deutschland holt, muss auf die britischen DVDs zurückgreifen, wobei die Special-Edition mit zwei DVDs aufgrund der zauberhaften Extras (u.a. Bericht über den Cannes-Besuch des Regisseurs und der Hauptdarsteller) durchaus zu empfehlen ist.
Mirco Hölling (25.03.2005)
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